Satzungen - Statuten / 20. November 1826 [ungültig]
Die Statuten werden hier wortgetreu wiedergegeben nach dem Druck in: Archiv für Geschichte und Altertumskunde Westfalens 2, 1828 S.96-100. Sie wurden bestätigt durch die Königliche Kabinetts-Ordre vom 7. Januar 1827, die folgenden Wortlaut hat (Druck: Archiv f. Gesch. u. Altertumskunde Westfalens 2, 1828 S. 216):

"Auf Ihren Bericht vom 16. v. M. ertheile Ich dem Verein für die Geschichte und Alterthumskunde Westphalens in Paderborn und Münster, dessen Mir eingereichte Statuten Sie hierneben zurück empfangen, hierdurch Meine Bestätigung.
Berlin, den 7. Januar 1827
(gez.) Friedrich Wilhelm


An
den Staatsminister Freiherrn vom Altenstein"


Statuten

  • 1.
    Der Verein für die Geschichte und Alterthumskunde Westpha1ens ist vorzugsweise bestimmt, der allgemeinen Geschichte des Vaterlandes durch Erforschung der speziellen Geschichte dieser Provinz zu dienen und nützlich zu werden. Er beschränkt sich daher nicht auf das Specielle und Locale als solches, sondern hat stets das Ganze im Auge. So wie aber die Provinz Westphalen für Geschichte und Alterthum vorzüglich viel Wichtiges und Merkwürdiges, was zum Theil jetzt erst anerkannt und zu Tage gefördert wird, besitzt, so darf auch der Verein auf eine allgemeine Theilnahme rechnen, und wird jeden, auch entfernten, Freund vaterländischer Geschichte zu seinen Mitgliedern zählen.
    Es kömmt daher auch gar nicht streng auf die Territorial-Grenzen der Provinz an. - Die inneren Grenzen werden aber streng beobachtet. Nie darf die Tendenz des Vereins eine andere als eine rein wissenschaftliche sein.

  • 2.
    Der Verein sucht besonders ein näheres Band zwischen allen Geschichts- und Vaterlands-Freunden zu knüpfen und diesen Zweck durch persönliche Verbindungen und Zusammenkünfte zu befördern. Um die letzteren zu erleichtern, werden zwei Special-Vereine zu Paderborn und zu Münster, ein jeder unter einer besonderen Direktion, gebildet. Die Gesellschaft macht aber fortwährend ein Ganzes aus; die Mitglieder des einen Special-Vereins sind auch Mitglieder des anderen; das Archiv für westphälische Geschichte bleibt das gemeinschaftliche Organ, und um die Einheit im Inneren und Äußeren noch bestimmter festzuhalten, wird ein gemeinschaftlicher Vorstand, unter dem Namen eines Curatorii, erwählt, von welchem die, die ganze Gesellschaft betreffenden, Angelegenheiten geleitet werden.

  • 3.
    Alle zwei oder drei Jahre treten die geschäftsführenden Direktoren, zu denen noch Deputirte gewählt werden können, unter Vorsitz des Curators, zu einer General-Versammlung zusammen, und communiciren über die Resultate der einzelnen Bemühungen.

  • 4.
    Die Direktoren verwahren alle Schriften und Protokolle, so wie das öffentliche Siegel des Vereins, und erstatten der Gesellschaft bei jeder Zusammenkunft ausführlichen Bericht über die Ergebnisse seit der letzten Zusammenkunft.

  • 5.
    Es wird der Grund zu einem vaterländischen Museum gelegt, welches auch aus Spezial-Abtheilungen bestehen kann. Was an Büchern, Handschriften, Kunstsachen, Antiquitäten dem Vereine gewidmet ist, wird an die Direktoren geschickt, welche ein Register und Protokoll hierüber führen.

  • 6.
    Die Pflichten, welche die Mitglieder des Vereins übernehmen, können, da sie bloß auf Förderung historischer Forschung abzwecken, denselben nur angenehm sein. Im allgemeinen ist die Absicht des Vereins: die Aufsuchung und Sicherung der vaterländischen Geschichtsquellen und Alterthümer jeder Art und Gattung, so wie die Wiedervereinigung von Urkunden, Kopialbüchern, Repertorien und anderen Archivalien mit den Archiven und Sammlungen, wozu sie gehören, nach Kräften zu bewirken, die geschichtliche Bildung und dadurch Gemeingeist in der Umgebung der einzelnen Mitglieder zu wecken, und den, theils hier und da erkalteten, theils auf Abwegen sich befindenden, Sinn für vaterländische Geschichte wieder zu erregen, oder auf die rechte Bahn zu leiten.

  • 7
    Speziell verpflichtet der Eintritt in den Verein die einzelnen Mitglieder:
    - der Gesellschaft über vorhandene oder aufgefundene wichtige Quellen und Denkmähler der Geschichte Anzeige zu machen und über Alles, was in ihrem Umkreis für den vorgesetzten Zweck Denkwürdiges existirt, oder geschieht, Bericht zu erstatten;
    - nach Zeit, Verhältniß und Neigung, in einer so viel als möglich zu bewirkenden Vertheilung einzelner Bezirke und Ortschaften, zu gemeinsamen Forschungen, besonders bei Gegenständen, wo die genaueste Kenntniß der Lokalität wesentlich ist, beizutragen und dafür vollständig zu sammeln, um allmählig ein Ganzes zu erreichen.
    So wird namentlich gewünscht: eine Aufzeichnung alter Orte mit ihren verschiedenen Namen und Bezeichnungen, dabei Erforschung aller in der Flur und Mark der Gegend sich befindenden bedeutenden Namen, die auf einen untergegangenen Ort deuten, oder sonst eine Erinnerung der Vorzeit erhalten haben; auch besonders alter Ruinen von Burgen, Schlössern, Kirchen, Denkmälern, Inschriften. Ferner, Sammlungen zu einem Idiotikon: besondere Worte, Namen, zugleich Sprichwörter und Redensarten, die sich in einem gewissen Umkreise erhalten haben; ferner, was im Munde des Volkes und in der Tradition noch lebt: an Sagen, Liedern, Rechtsgewohnheiten, Gebräuchen und Festlichkeiten; endlich wird es auch dem einen oder anderen Mitgliede gewährt sein, aus Familien-Archiven älterer Zeit manchen Aufschluß zu geben, und Nachrichten zu sammeln, durch welche ein bisher nicht genau bekannter Gegenstand der Geschichte ergänzt und erläutert werden kann.
    Gegenseitige Mitteilungen, und Unterstützung einzelner Mitglieder bei speciellen Bearbeitungen gehören auch zum Zweck dieser Verbindung; desfallsige Anfragen werden an den Direktor gerichtet, und von diesem den Mitgliedern zur Berücksichtigung mitgetheilt.
    Abhandlungen über geschichtliche oder antiquarische Gegenstände, welche einzelne Mitglieder dem Verein widmen, werden in der Versammlung vorgetragen, oder es wird daraus Bericht erstattet. Zu dem Ende werden sie dem Direktor vor der Zusammenkunft übergeben, und mit Erlaubniß des Verfassers, so wie nach dem Beschlusse der Gesellschaft, von der Redaktion des Archivs zum Druck befördert.

  • 8.
    Es wird eine Kasse gebildet, um durch kleine jährliche Beiträge die geringen Kosten der Geschäftsführung des Vereins zu decken. Erhält diese durch freiwillige Beiträge, oder durch die Menge von Theilnehmern, oder endlich durch eine zu erbittende Unterstützung von Seiten des Staates einen so bedeutenden Zuwachs, daß damit ein gemeinnütziges Werk unternommen werden kann, so bildet sie einen Fond für den Druck vaterländischer Geschichtsquellen oder eines Urkunden-Repertorii, oder für Preis-Aufgaben und für Erhaltung geschichtlicher Denkmähler. Die Disposition über diesen Hauptfond, nach den gemeinschaftlichen Vorschlägen beider Filial-Vereine, bleibt bei dem Curatorio. Die kleinere Kasse für die Geschäftsführung beider Vereine wird von jedem derselben einem Mitgliede übertragen. Die Zahlungs-Anweisungen geschehen von den Direktoren, und die jährliche Rechnung wird jedesmal in der Haupt-Versammlung jedes Vereins vorgelegt.

  • 9.
    Wer Sinn, Liebe und Neigung für vaterländische Geschichte hat, wird gern als Mitglied aufgenommen, jedes Talent wird geehrt, das geringste Verdienst gern anerkannt werden. Möglichste Ausbreitung und allgemeine Theilnahme wird als Wunsch ausgesprochen. Die Aufnahme geschieht nach dem Vorschlage eines Mitglieds durch Beschluß der Versammlung. Der Direktor macht solche den Ernannten im Auftrage des Vereins bekannt. Über die Wahl der Direktoren und Annahme der Mitglieder entscheidet Stimmenmehrheit. Die Beschlüsse der Gesellschaft sind für die ausbleibenden Mitglieder bindend; in allen wichtigen Fällen wird jedoch Rath und Beistimmung eingeholt.

  • 10.
    Auswärtige korrespondierende und Ehren-Mitglieder der Gesellschaft übernehmen keine Verpflichtungen, die der Verein durch seine Beschlüsse sich auflegt. Es steht in ihrem freien Willen, wie sie die durch die Statuten ausgesprochenen Zwecke fördern und dem Vereine nützlich werden wollen.

  • 11.
    Bei der Erweiterung dieses Geschichtsvereins bleibt die Revision und Abänderung dieser Statuten, wo es zweckmäßig gefunden wird, vorbehalten.
    Münster und Paderborn, den 20. November 1826.


(Aus: WZ 120, 1970, S. 261-264)