Kleine Zeitreise durch die westfälische Adelsgeschichte

Altertumsverein besucht Salzkotten

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Was hat der Sturz Heinrich des Löwen (1180) mit der Entstehung von  Salzkotten zu tun, oder die Bedeutung des Hellwegs für Salzkotten und Geseke? Hierzu informierte Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer bei einem Öffentlichen Vortrag in der Dreckburg rund 100 Zuhörer. Vorausgegangen war eine Mitgliederversammlung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn, die diesen Vortrag präsentierte und an diesem Tag eine Zeitreise durch die regionale Adelsgeschichte machte.

Nach dem Sturz Heinrich des Löwen wurde der Kölner Bischof Herzog von Westfalen und damit hatte er auch Einfluss auf das Bistum Paderborn. Die Grenze der beiden Bistümer war in etwa die Heder. Das Bistum Paderborn hatte dagegen mit dem Besitz des Königshofes in Erwitte (ein Geschenk des Kaisers), auch schon einen Fuß auf der anderen Seite. 1217 erhielt Geseke als östlichstes Bollwerk des Erzbistums Köln die Stadtrechte – damit waren wichtige Weichen für die Ausdehnung des Herzogrums Westfalens bis zur Weser gestellt. Weil die Hedergrenze immer unsicherer wurde, siedelte der Paderborner Bischof Simon fünf Dörfer um und gründete im Jahr 1247 als Gegenpol zu Geseke auf dem Kütfelsen der bisherigen Sälzersiedlung die Stadt Salzkotten. Beiden Bistümern ging es um die Kontrolle des Hellwegs: Wie sich diese Fehde zutrug und Einfluss auf beide Städte hatte, das verblüffte selbst eingefleischte Sälzer. Anhaltender Beifall war der verdiente Lohn für den Historiker Schoppmeyer.

Geschäftsführer Andreas Gaidt, Erhard Christiani, Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer und Bürgermeister Ulrich Berger freuen sich über eine gut besuchte Versammlung in der Burg.
Geschäftsführer Andreas Gaidt, Erhard Christiani, Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer und Bürgermeister Ulrich Berger freuen sich über eine gut besuchte Versammlung in der Burg.

Vorausgegangen war ein Grußwort von Bürgermeister Ulrich Berger, der kurz seine Stadt und mittlerweile dessen Kulturzentrum Dreckburg vorstellte. Burgherr Erhard Christiani zeigte bei einem Rundgang durch sein Wasserschlösschen, warum das so ist.

Viel Beifall gab es nach den Essen auch für den Vortrag von Dr. Friedrich Gerhard Hohmann: „Freiherr Wilderich von Ketteler – Thüle (1809-1873), ein katholischer Politiker des 19. Jahrhunderts“. Dieses Thema steifte er später auch noch einmal bei seinem Vortrag über das Haus Thüle.

Nächste Station war die Ruine der Vernaburg, wo die Gruppe vom Eigentümer Georg Ferdinand von und zu Brenken begrüßt wurde. Hier berichteten Dr. Rainer Decker aus Paderborn und Archäologin Marianne Moser über die Geschichte des 1607 für den Ritter Wilhelm von Krewet im Stil der Weserrenaissance erbauten Burg. So ging die Burg bereits in frühen Jahren in die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) ein. Der schwedische Generalfeldmarschall Dodo von Inn- und Knyphausen hatte die Burg als Hauptquartier bezogen und ließ in der Thomasnacht im Dezember 1633 die Stadt Salzkotten stürmen, wobei er ein grauenvolles Massaker anrichtete. Noch heute erinnert in der Thomasnacht das Glockengeläut der Pfarrkirche St. Johannes an dieses schreckliche Ereignis. Nach einer Erbteilung 1638 erhielten Anna-Marie von Krewet und ihr Ehemann Arnold von und zu Brenken die Vernaburg und Gut Wandschicht. Wie dann die Burg, die im 18. Jahrhundert verfiel, bis zur Zerstörung im Siebenjährigen Krieg (1756) genutzt wurde, ist weitgehend unklar.

Nach einem kurzen Besuch der Wallfahrtskirche St. Bartholomäus im Verne, wo Dr. Norbert Börste die Geschichte des Gotteshauses beleuchtete, war dann das Schloss Haus Thüle Endpunkt der informativen Reise durch die Salzkottener Adelswelt. Nach einem kurzen Überblick des Eigentümers Baron Georg Ferdinand von und zu Brenken ließ Dr. Friedrich Gerhard Hohmann die Geschichte des Hauses noch einmal im Zeitraffer Revue passieren. Dabei stand besonders die Hauskapelle im Blickpunkt.

(Pressetext und Foto: Helmut Steines)