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Sammlungen - Sammlung - Einführung

Norbert Börste

Die Geschichte der Sammlung des
Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn

Einleitung

Die Geschichte des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens wurde bereits publiziert und ein systematisches Verzeichnis der Veröffentlichungen als Festgabe anläßlich des 150. Jahrestages der Gründung des Vereins am 19. Juli 1824 herausgegeben. Außerdem hat Bernd Mütter die westfälische Landesgeschichtsforschung zwischen Aufklärung und Historismus und die Gründung des Altertumsvereins in Paderborn gründlich untersucht. Zuletzt haben Christian Hoffmann, Ralf Klötzer und Marcus Weidner das Archiv der Abteilung Paderborn bearbeitet.

Die folgenden Ausführungen behandeln daher nur die Sammlungen der Abteilung Paderborn. Hier sind auch nur die etwas grobmaschigeren Züge der Sammlungsgeschichte aufgeführt, die aber dennoch eine klare Entwicklungslinie von der Epoche der Sammelleidenschaft im 19. Jahrhundert bis zur Phase der Erschließung erkennen lassen. Besonders sind in diesem Zusammenhang Bernhard Stolte und Alois Fuchs zu würdigen, die durch ihre Tätigkeit dafür gesorgt haben, daß die reichen Sammlungsbestände der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten. Den vorläufigen Abschluß dieser Erschließungsarbeiten bildet der gedruckte Katalog zu den Sammlungen des Altertumsvereins.

Insgesamt handelt es sich um sechs Sammlungsschwerpunkte:

  • Das Archiv und die Bibliothek
  • Die Münzsammlung
  • Die archäologische Sammlung
  • Die historischen und kunstgeschichtlichen Sammlungen
  • Die Bestände im Erzbischöflichen Diözesanmuseum
  • Die Waffensammlung


Da jeder Sammlungsbestand seine eigene Geschichte aufzuweisen hat, haben die verantwortlichen Bearbeiterinnen und Bearbeiter jeweils entsprechende Vorbemerkungen verfaßt (in Bearbeitung), so dass an dieser Stelle nur die allgemeinen übergreifenden Ereignisse skizziert werden, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts begannen und bis heute ihre Auswirkungen zeigen.


Anfänge im 19. Jahrhundert

Zur Zeit des Biedermeier entstanden in zahlreichen Städten Deutschlands Geschichts- und Altertumsvereine. Die bedeutendste Initialzündung dazu bildete die 1819 in Frankfurt am Main durch den Freiherrn vom Stein gegründete Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, die sich mit Gleichgesinnten der Geschichtswissenschaft zuwandte. 1819 kamen auch in Westfalen erstmals mehrere Interessenten aus unterschiedlichen Berufen (u.a. Theologen, Juristen, Verwaltungsbeamte, Kaufleute und Gymnasiallehrer) mit gleichem geistigem und historischem Niveau zusammen und entwarfen einen Plan, um eine Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde in Westfalen zu gründen. In deren Gründungsplan erließen Paul Wigand und August von Haxthausen einen Aufruf, in dem neben der Sammlung von schriftlichen "Denkmälern" bereits ein größeres und differenzierteres Sammlungsspektrum angestrebt wurde und zur Generalintention von nachfolgenden Aktivitäten wurde:

"III. Gleiche Sorgfalt widmen wir allen Denkmälern der Vorzeit, um die Überbleibsel alter Kunst und Tradition zu erforschen und zu erhalten; Burgen, Gebäude, Bildwerke und Gemälde, Inschriften, Münzen und Siegel sind der Aufmerksamkeit wert. Altertümer aller Art werden wir sammeln, besonders nachforschen auch widmen und richten auf das Leben und die Weise des Volkes, seinen Haushalt und seine bürgerliche Einrichtung, seine Wirtschaft, Bauart, und Geräth für Acker, Haus und Handwerk...."



Vereinsgründung und Sammlungsbeginn
Nach vier Jahren konstituierte sich der Verein 1824 öffentlich, und im nachfolgenden Jahr erschien die erste periodische Schrift. Von Anfang an hat der Verein es als seine wichtigste Aufgabe angesehen, neben der Sammlung und Veröffentlichung westfälischen historischen Schrifttums auch Gegenstände der Kunst, des Brauchtums und Funde aus prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit zu sammeln.

Am 19. Juli 1824 fand jenes denkwürdige Treffen im Gartenhaus des Domherrn Ignaz Theodor Liborius Meyer in Paderborn statt, das für Westfalen von herausragender Bedeutung sein sollte. Meyer gewann für sein Vorhaben, die Gründung des Geschichtsvereins, mehrere begeisterte Gleichgesinnte, die seiner Idee folgten.
Unter der Leitung des Mitbegründers und ersten Direktors Meyer entwickelte sich der Verein unter Mitwirkung von Wigand,Gehrken, Seibertz, Varnhagen, Spancken, Bessen, Brand, von Brenken, von Schlechtendahl und anderen Gleichgesinnten sehr positiv. Kurz danach kamen Ehren- und korrespondierende Mitglieder hinzu, so u.a. auch Jakob und Wilhelm Grimm. Vertreter aus allen gebildeten Berufen bewarben sich um die Mitgliedschaft, die dann auch dafür sorgten, daß eine Sammlungstätigkeit einsetzen konnte. Mit den Schenkungen von Urkunden, Büchern und antiken kunstgeschichtlichen und kunstgewerblichen Objekten waren die Anfange für die ersten Sammlungen der Bibliothek, des Archivs und des Museums gegeben.

Bereits in dem Entwurf der Statuten von Meyer wurden die zukünftigen Sammlungsaktivitäten programmatisch formuliert:

"1. Die Mitglieder des Vereins verbinden sich zu möglichster Sorge, alle Denkmale der Vorzeit zu erhalten, ihre sichere Aufbewahrung und Sammlung zu bewirken und darüber getreue Mitteilung zu machen, insbesondere dahin zu streben, daß Urkunden, Copialbücher, Repertorien etc. wieder zu den Sammlungen kommen, wozu sie gehören, dann auch anzugeben, wo noch unbenutzte Quellen vaterländischer Geschichte vorhanden sein möchten und möglichst zu bewirken, daß deren Mitteilung zur Benutzung besorgt werden könne."

1852 wurden die Vereinsstatuten veröffentlicht, in denen erstmals ein Museum erwähnt wird. Es heißt dort unter Nr.5 und 6 der Statuten:

"Nr.5: ...Es wird der Grund zu einem vaterländischen Museum gelegt, welches auch aus Spezialabteilungen bestehen kann..."

"Nr.6: ...Im allgemeinen ist es Absicht des Vereins: die Aufsuchung und Sicherung der vaterländischen Geschichtsquellen und Alterthümer jeder Art und Gattung so wie die Wiedervereinigung von Urkunden, Copialbüchern, Repertorien und anderen Archivalien mit den Archiven und Sammlungen, wozu sie gehören, nach Kräften zu bewirken... Sinn für vaterländische Geschichte wieder zu erregen, oder aufrechte Bahn zu leiten..."

Nach der Paderborner Vereinsgründung sollten in Westfalen mehrere Sektionen entstehen. Der Erfolg dieser Bemühungen war die Gründung eines Schwestervereins in Münster am 21. September 1825, wo bereits vorher am 18. Juni das "Museum für Vaterländische Alterthümer" eröffnet wurde. Erster Kurator für beide Sektionen wurde der damalige Oberpräsident von Vincke.

In Münster wurden Museum und Verein, der die Paderborner Statuten in modifizierter Form übernahm, durch Personalunion verbunden. Dagegen mußte die Paderborner Sektion in den ersten Jahrzehnten auf eine museale Unterbringung ihrer Sammlungen verzichten.


Erste Sammlungsunterbringungen und Museumseinrichtung

Die Paderborner Sammlungen wurden zunächst in den Privatwohnungen der ersten Vereinsdirektoren untergebracht. Als der Umfang so stark anwuchs, daß ein anderer Aufbewahrungsort gesucht werden mußte, kamen die Bestände durch Vermittlung der preußischen Behörden ab 1844 in die Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs. Dort blieben sie, äußerst provisorisch untergebracht, bis 1856, als diese Räume dem Verein wieder entzogen wurden, wie in einer Denkschrift 1909 mitgeteilt wurde. Nun begann eine Odyssee, während welcher die gesamten Materialien zunächst für eine jährliche Miete von 50 Talern in die Privatwohnung eines Gymnasiallehrers, dann in die Wohnung des Vereinsdirektors Giefers, daraufhin ins spätere Landgerichtsgebäude und schließlich in das Refektorium des Franziskanerklosters geschafft wurden, bis sie schließlich wieder im alten Jesuitengebäude, nunmehr im Archivzimmer des Priesterseminars, für wenige Jahre eine Unterkunft fanden.

Das Museum des Vereins wurde 1886 endlich im Rathaus gegründet und war zunächst in zwei Räumen auf der Nordseite des Erdgeschosses untergebracht.

Waren die ersten Jahrzehnte durch eine leidenschaftliche Sammeltätigkeit erfüllt, vollzog sich ab 1886 ein Wandel durch Bernhard Stolte (1848 - 1927), der nun die Sammlungsbestände auch erschloß. Er sorgte dafür, daß die Stadtverwaltung dem Verein mehrere Räume im sogenannten Archivgebäude an der Wasserkunst kostenlos zur Verfügung stellte.

1902 erhielt das Museum Besuch von dem damaligen Landeshauptmann der Provinz Westfalen, Holle. Der Geheime Oberregierungsrat Holle inspizierte dabei die Sammlungen des Vereins, insbesondere die Münz- und Urnensammlung, hatte doch der Provinzial-Landtag von Westfalen für die Ziele des Vereins in jedem Jahr einen namhaften Geldbetrag zur Verfügung gestellt. Ab 1894 konnte der Verein drei Räume auf der Südseite des Rathauses für seine Sammlungen nutzen, die jedoch schon bald der städtischen Sparkasse zur Verfügung gestellt werden sollten. In der Denkschrift "Promemoria gegen den Antrag des Kuratoriums der städtischen Sparkasse auf Ausweisung des Altertumsvereins aus dem Rathause" vom 4. März 1909, die Stolte ausgearbeitet hatte und die er zusammen mit v. Detten, Biermann, Reismann und Loer in Vertretung des Direktors herausgab, wurde vehement für den Verbleib und die würdige Unterbringung der Sammlungen im Rathaus gekämpft. Außerdem wies man eindringlich auf die Dienste und auf die Verdienste des Vereins für die kulturellen Aufgaben und Pflichten der Stadt gegenüber ihren Bürgern hin. In dieser Schrift werden neben der Archivsammlung auch erstmals die übrigen Vereinssammlungen beschrieben. [...]

In dem "Promemoria" sind auch die Bestände des Archivs und der Bibliothek genau aufgelistet, die Hermann-Josef Schmalor in dem nachfolgenden Kapitel ausführlich schildert. Anhand der z.T. sehr emotionalen Beschreibungen des ersten "Inventars" von 1909 wird deutlich, daß sich hier Bürger mit oft staunenswertem Engagement für ihre selbstgewählten Aufgaben einsetzten, in einer Zeit, da in Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Museen gegründet wurden. Durch die explosionsartige Industrialisierung kam es bis zum Ersten Weltkrieg zunehmend zu Museumsgründungen, und fast jede Provinzstadt, die sich kulturell profilieren wollte, baute nicht nur ein Theater, sondern eröffnete auch mindestens ein Museum. In dieser Gründungsphase, die fast parallel läuft mit Gründungen und Einrichtungen von kunsthistorischen und archäologischen Instituten an deutschen Universitäten, die eigentlich die ersten "Fachleute" in geringer Zahl "produzierten", wurden manche Museen von verabschiedeten Offizieren oder pensionierten Beamten ohne grundlegende Fachkenntnisse betreut und viele Kunstmuseen von einer lokalen Künstlergröße geleitet. Um so höher ist der Einsatz des Paderborner Altertumsvereins in der damaligen Zeit zu bewerten, in der sich Persönlichkeiten mit erstaunlichen Fachkenntnissen immer wieder um seine Sammlungsbestände verdient gemacht haben.

Seit 1909 betreute der "erste Kunsthistoriker", Alois Fuchs (1877-1971), Professor für christliche Kunstgeschichte und Diözesanvorsitzender und -vertreter der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst in München, schließlich das Museum des Altertumsvereins im Rathaus, wodurch die Sammlungsbestände für die nächsten Jahrzehnte in besten Händen lagen (Fuchs war von 1946-1954 Vereinsdirektor). Fuchs sorgte dafür, daß die Sammlungsbestände ständig erweitert wurden, hielt zahlreiche Vorträge und begründete so eigentlich auch die Paderborner Kunstgeschichtsschreibung. Besonders in der Vereinszeitschrift stellte er die Aktivitäten des Museums und die Erweiterungen der Sammlungen durch Schenkungen und Ankäufe differenziert vor, und diese Mitteilungen bilden die wichtigste Quelle zur Sammlungsgeschichte.

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Sammlungstätigkeiten nicht unterbrochen und auch die Stadt Paderborn überwies dem Verein, wie vorher und nachher, ständig Objekte unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes. Nach 1918 wurden die Sammlungsbestände des Vereins in den Museumsräumen im Rathaus neu geordnet. Der ständige Zuwachs der Sammlung erforderte eine weitere Freigabe von Räumen durch die Stadt, die aber nicht erfüllt werden konnte.

In der Inflationszeit war eine Vergrößerung der Sammlung durch Ankäufe kaum möglich, konnte aber danach fortgesetzt werden, zumal man dabei auf Einnahmen durch den Verkauf von Eintrittskarten für Museumsbesuche zurückgreifen konnte. Daneben wuchs die Sammlung durch Schenkungen zahlreicher Privatpersonen und Vereinsmitglieder besonders in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Aufgrund der Grabungsaktivitäten des Architekten und Archäologen Bernhard Ortmann wurde dem Verein nach 1933 eine größere Zahl von archäologischen Funden zugeführt. Der Westfalentag 1937 brachte für das Museum im Rathaus die schon lange angestrebte räumliche Neukonzeption und Vergrößerung. Die südlichen Raume wurden nach der Renovierung dem Vereinsmuseum überlassen, so daß nun die gesamte Sammlung im Erdgeschoß untergebracht werden konnte.

Durch die rigorose Kulturpolitik des nationalsozialistischen Staates wurde auch die Arbeit des Altertumsvereins stark in Mitleidenschaft gezogen.

Aus der Zeit von 1940 bis 1947 sind die Nachrichten zu den Sammlungsaktivitäten spärlich. Es ist der Initiative verantwortungsvoller Bürger und Mitglieder des Vereins zu verdanken, daß noch vieles aus den vereinseigenen Sammlungen vor Zerstörung und Diebstahl gerettet werden konnte. Über die Situation des Zweiten Weltkrieges berichtet der langjährige Vereinsdirektor Klemens Honselmann:

"Um die wertvollen Sammlungen vor der Vernichtung bei Bombenangriffen zu schützen, waren schon 1943 Teile der Bibliothek im alten Archiv des Grafen von Westphalen in Fürstenberg zusammen mit Büchern der Akademischen Bibliothek und der damals in Paderborn befindlichen Bibliothek der Grafen von Fürstenberg-Herdringen, untergebracht. Sie sind dort durch den persönlichen Einsatz der Gräfin gerettet worden. Das Archiv des Vereins war nach Hövelriege gebracht und der Obhut des damaligen Pfarrvikars in Hövelriege, des späteren Propstes an der Gaukirche in Paderborn, Dr. Wilhelm Tack, anvertraut. Aus dem Museum im Rathaus waren die wertvollen Stücke in Sicherheit gebracht worden. Zuletzt wurden die noch im Dachgeschoß befindlichen Bücher des Vereins in den Keller der Akademischen Bibliothek geschafft.

Beim Bombenangriff auf Paderborn am 17. Januar 1945 wurde Prof. Dr. Fuchs, Kustos des Museums, im Keller seiner Kurie verschüttet, aber bewußtlos durch Soldaten und Luftwaffenhelfer  rechtzeitig herausgebuddelt und ins gegenüberliegende Vinzenzkrankenhaus gebracht, wo er längere Zeit liegen mußte. Das Rathaus, in dessen unteren Räumen noch ein großer Teil des Museumsgutes untergebracht war, wurde durch die Bomben schwer beschädigt. Sämtliche Türen und Fenster wurden zertrümmert und ausgehoben. Die verwüsteten Räume konnten nicht abgeschlossen werden. Einiges ist damals durch Diebstahl verlorengegangen. Bald darauf zog die Polizei ein. Ohne Nachrichten an den Verein wurde kurzerhand alles, was sich an Schränken, Vitrinen sowie Truhen und Möbeln noch vorfand, in einem einzigen Raum so dicht zusammmengestellt, daß eine Feststellung der Schäden nicht möglich war. Die einzigen, die sich um die Museumsstücke kümmern konnten, waren Dr. Tack in Hövelriege und Baurat Michels in Paderborn. Am 22. März war ein Luftminenangriff auf Paderborn, bei dem der Archivar des Vereins, Domkapitular Dr. Völker, ums Leben kam.

Am 27. März fiel dann Paderborn fast vollständig der Zerstörung anheim. Das Rathaus brannte aus. Doch war der Raum, in dem das Museumsgut gestapelt war, durch ein feuerfestes Gewölbe geschützt, so daß das dort Gelagerte erhalten blieb...".


Entwicklung nach 1945 bis 1999
Nach dem Zweiten Wekkrieg gab es bis 1975 für die Vereinssammlungen keine eigene museale Unterbringung. Der Verein stellte 1956 bei der Stadt Paderborn den Antrag, seine Sammlungen bis auf weiteres wieder im Rathaus unterbringen zu dürfen. Überlegungen wurden angestellt, die Sammlungen im ehemaligen Amtsgericht auf der Paderinsel unterzubringen. Der damalige Kultusminister Werner Schütz hatte 1955 den Landeskonservator Rensing beauftragt, für ein Altertumsmuseum das ehemalige Amtsgericht an der Michaelstraße auf der Paderinsel wieder aufzubauen. Es war geplant, das Diözesanmuseum unterzubringen, und das Altertumsmuseum sollte dort in einem Anbau errichtet werden. Die Baupläne waren bereits vorhanden und die Finanzierung bis 1963 gesichert, aber leider gab es Probleme bei der Fundamentierung, die alle vorherigen Realisierungspläne verwarfen, so daß dieses interessante Projekt aufgegeben werden mußte.
1972 kaufte die Stadt Paderborn das Adam-und-Eva-Haus aus dem 16. Jahrhundert an und ließ es bis 1976 restaurieren.

1975 beschloß der Kulturausschuß, daß dort in den beiden unteren Stockwerken ein Museum für Stadtgeschichte eingerichtet werden sollte. Große Teile des Sammlungsbestandes des Altertumsvereins erhielten endlich unter dem damaligen Vereinsdirektor, Studiendirektor Dr. Friedrich Gerhard Hohmann, eine würdige Unterbringung.

Schließlich kam noch das angrenzende Haus Erzengel hinzu, das ebenfalls von der Stadt angekauft wurde und zum Teil als Museum genutzt werden konnte. Endlich wurde 1977 ein Leihvertrag zwischen dem Altertumsverein und der Stadt Paderborn geschlossen, in dem geregelt ist, daß der Verein seine Objekte für Ausstellungszwecke kostenlos zur Verfügung stellt.

Die archäologische Sammlung wurde über viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek bis 1994 provisorisch untergebracht. Anton Doms (1922-1995) betreute die Sammlung als Museumskonservator seit 1979 bis zu seinem Tode. Die Pflege der äußerst wertvollen Sammlung war für ihn immer eine besondere Herzensaufgabe, und er hütete sie wie seinen Augapfel, bis die Sammlung schließlich museal untergebracht werden konnte.

1994 wurden die Museen im Marstall von Schloß Neuhaus eröffnet. Dort ist die archäologische Sammlung unter guten konservatorischen Bedingungen und museumstechnischen Voraussetzungen deponiert. Die Regale für eine fachgerechte Unterbringung stiftete dankenswerterweise die Büromöbelfirma Karl Werner, Paderborn , womit eine alte Stiftungstradition des Vereins wieder auflebt, die als Vorbild für weitere Spendenaktivitäten dienen dürfte.

Im Historischen Museum im Marstall wurden außerdem zahlreiche Sammlungsobjekte in die Schausammlung integriert, ebenso wie im "Remter", der Dauerausstellung zur Baugeschichte des Schlosses. Hierbei handelt es sich besonders um Jagdwaffen (im Marstall untergebracht) und Teile der Foto-, Porzellan-, Malerei- und Graphiksammlung der Familie von Fürstenberg-Eggeringhausen, die dem Altertumsverein 1977 als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Ein weiterer Teil dieser Sammlung befindet sich heute als Leihgabe im Erzbischöflichen Diözesanmuseum.

Darüber hinaus haben auch das Erzbischöfliche Diözeanmuseum, der Heimatverein Bad Lippspringe (Heimatmuseum), das Historische Museum des Kreises Paderborn in der Wewelsburg 1996 und das Archäologische Museum der Universität Münster 1997 zahlreiche archäologische Exponate erhalten, womit die Sammlungen des Altertumsvereins der Öffentlichkeit nun über Paderborn hinaus zugänglich gemacht wurden. Für alle so "beschenkten" Museen war und ist dieses eine willkommene Unterstützung, zumal die Exponate aus der Sammlung des Altertumsvereins oftmals die einzigen Objekte sind, die bestimmte epochale Zeitabschnitte in den angesprochenen musealen Abteilungen dokumentieren können und daher unbezahlbare kulturgeschichtliche Bereicherungen dieser Museumseinrichtungen darstellen.

Ferner werden durch die Publikation dieses Kataloges die Sammlungsbestände nun bekannt, für weitere Kreise leichter zugänglich und auch für Forschungszwecke endlich erschlossen.

Eines der vornehmsten Anliegen der Abteilung Paderborn dürfte letztendlich auch sein, die Erweiterung der Sammlungsbestände voranzutreiben, um dort anzuknüpfen, wo Gleichgesinnte vor 175 Jahren den Sammlungsaufbau begannen. Vielleicht lassen sich auch in unserer Zeit wieder ähnlich Begeisterte finden, die durch großzügige Stiftungen in Zukunft dazu beitragen werden, daß diese wertvollen kulturellen Sammlungsbestände des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn e.V., weiter wachsen können.
 
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