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Ehlers: Westfälischer Adel Drucken
Dienstag, 7. November 2006, 20:00 - 21:00 Aufrufe : 4684
Prof. Dr. phil. Joachim Ehlers, Berlin

Westfälischer Adel am Hof Heinrichs des Löwen

(Vortragsveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Paderborn)

Der Vortrag geht von einer im 12. Jahrhundert deutlich wachsenden Bedeutung der Höfe als politische und kulturelle Zentren in Deutschland aus und verfolgt am Beispiel des westfälischen Adels die Beziehungen zwischen den Großen einer Region zur Landesherrschaft. Als Orte des Gerichts und der Beratung dienten Höfe dazu, jene Menschen an den Fürsten zu binden, auf deren Hilfe, Mitwirkung oder Duldung er angewiesen war. Ohne Beratung und Mitsprache der Großen konnte nicht regiert werden; je öfter wichtige Adelsfamilien in der Nähe des Herrn vertreten waren, umso enger wurden sie in das vorwiegend persönlich bestimmte Geflecht seiner Entscheidungen eingesponnen. Für Heinrich den Löwen war der Hof das wichtigste Mittel zur Sicherung seiner herzoglichen Stellung; durch den Hof wollte er die verstreuten Bestandteile seiner Herrschaft in Sachsen allmählich und dauerhaft auf seine Person ausrichten und bildete deshalb ein Gefolge, das ihn bei Rechtshandlungen, Reichsversammlungen oder beim Empfang von Gesandtschaften umgab und dessen Größe zugleich seinen fürstlichen Rang dokumentieren sollte. Mit dem hartnäckigen Streben nach effektiver Vorherrschaft stand der Herzog allerdings deutlich im Gegensatz zu dem, was in Sachsen bislang üblich gewesen war, so daß er sich zwangsläufig offene oder versteckte Feinde machte, mit denen er ständig zu kämpfen hatte und denen er am Ende unterlag. In dieser Auseinandersetzung fand sich der westfälische Adel zwischen Heinrich den Löwen und die Kölner Kirche gestellt, die beiden in seine heimatliche Region hinein expandierenden Mächte. Ihnen gegenüber mußte er eine Position suchen, die ihm Besitz und Rechte auf die Dauer erhalten würde. Konflikte mit dem Herzog ergaben sich dabei nicht nur aus der Konkurrenz um Landesherrschaft und Autonomie der führenden Familien, sondern auch aus Heinrichs Regierungsstil, der durch ein grundsätzlich distanziertes Verhältnis zum Adel gekennzeichnet war.


Ort: Theologische Fakultät Paderborn, Kamp 6, Hörsaal 2

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