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Geschichte - Der Verein 1824-1924, 1925-1974 PDF Drucken E-Mail

Klemens Honselmann
Die Abteilung Paderborn 1824-1924, 1925-1974 (1974/75)

Die Geschichte der Abteilung Paderborn für die Zeit von 1824 bis 1899 hat Wilhelm Richter in einem Vortrag am 27. Juni 1899 in der Paderborner Generalversammlung, die aus Anlaß der Jubiläumsfeier stattfand, dargelegt. Der Vortrag liegt in der Westfälischen Zeitschrift gedruckt vor. 25 Jahre später hat der damalige Paderborner Vereinsdirektor Johannes Linneborn in der zum hundertjährigen Bestehen des Vereins erschienenen Festschrift einen Rückblick auf die Geschichte der Paderborner Abteilung geschrieben [FN1]. Der Chronist von heute muß zunächst auf das, was dort gesagt ist, zurückverweisen. Da aber nur wenige der jetzigen Mitglieder des Vereins diese Veröffentlichungen besitzen, muß er in Kürze auch über die ersten hundert Jahre berichten und dann sich etwas ausführlicher den im Zusammenhang noch nicht behandelten letzten fünfzig Jahren des Vereins zuwenden.

Der Beginn in Paderborn hat nach einer langen Anlaufzeit unter einem besonders günstigen Stern gestanden. Ignatz Theodor Liborius Meyer, der zur Gründungsversammlung einlud, ist nach allem der richtige Mann gewesen, die Geschicke des Vereins in die Hand zu nehmen. In Paderborn am 29.5.1773 geboren, hatte er in Würzburg und Göttingen studiert, war 1790 Kanonikus im Stift Busdorf geworden und 1811 zum Assessor am bischöflichen Generalvikariat ernannt. In der »vaterländischen« Geschichte hatte schon sein Onkel, der Jesuit Aloysius Wenneker, später Propst der Gaukirche (gest. 1792), gearbeitet, als er als Beilage zu Paderborner Kalendern seit etwa 1745-1774 in vielen Folgen eine »Paderbornische Kirchengeschichte« herausgab, die er nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu nicht mehr fortsetzte [FN2]. Seine erste Aufgabe in bezug auf historische Dokumente wurde ihm 1816 zugewiesen. Meyer bekam staatlicherseits den Auftrag, eine Anzahl von Archivalien des Domstiftes, des Klosters Abdinghof und des Stiftes Neuenheerse, die 1810 dem diplomatischen Apparat der Göttinger Universitätsbibliothek überwiesen waren, gemäß einem Übereinkommen der Preußischen Staatsregierung mit dem Ministerium des Königreichs Hannover nach Paderborn zurückzuholen. Er hatte nach Meinung der damit beauftragten Stellen die Sachkenntnisse, die für die Erledigung des Mandats notwendig waren. Nach gelungener Durchführung der Angelegenheit unterbreitete Meyer seinen Auftraggebern seine Gedanken über die Aufbewahrung und wissenschaftliche Benutzung der dem Staat bei der Aufhebung der kirchlichen Institute zugefallenen Archivalien und erklärte sich bereit, die Ordnung des Paderborner Domarchivs zu übernehmen. Seine Vorschläge wurden gutgeheißen. Meyer wurde beauftragt, »aus freier Liebe zur Sache« sich um die Pflege des Archivguts zu bemühen und erhielt die Erlaubnis zum Zutritt zu den Archiven, die sich noch in der Verwahrung der Domänen-Administratoren befanden [FN3]. Meyers Anregungen führten zu dem Plan, die Archive der Provinz Westfalen in Münster zu sammeln. Man bat ihn um Äußerung, ob und unter welchen Bedingungen er die Leitung eines westfälischen Gesamtarchivs in Münster übernehmen wolle. Er müsse dann nach Münster übersiedeln. Meyer zog es vor in Paderborn zu bleiben und in aller Stille an der Sichtung der Archivalien zu wirken [FN4]. Ob Paul Wiegend, der am 24. Dezember 1817 bei der Regierung in Minden sich anbot, bei der Ordnung und Verzeichnung der Archive, insbesondere des Corveyer zu helfen [FN5], damals schon Fühlung mit Meyer hatte, ist nicht bekannt.

1822 war Meyer zum Archivkommissar für den unterwaldischen Distrikt des Hochstifts ernannt worden. Im folgenden Jahre wurde er auf Veranlassung der Regierung bei der Neuerrichtung des Domkapitels in Paderborn zum Domherrn ernannt. Von anderen kirchlichen Ämtern ist er damals wohl entbunden worden. Er konnte sich ganz der Arbeit in den Archiven widmen und im folgenden Jahre zur Gründung eines Geschichtsvereins einladen. Er war damals 51 Jahre alt. Mit Eifer und Ausdauer hat er sich der Leitung des Vereins gewidmet. Die in dieser Festgabe veröffentlichte Mitgliederliste läßt das Aufblühen des Vereins erkennen. Dazu hat offenbar auch die Gastfreundschaft Meyers, der für die Versammlungen sein Gartenhaus bereitstellte und mit Erfrischungen aufwartete, viel beigetragen [FN6]. Zu korrespondierenden Mitgliedern des Vereins konnte ein großer Teil der maßgeblichen deutschen Historiker seiner Zeit gewonnen werden [FN7]. Erstes Ziel seiner Arbeit im Verein war die Schaffung eines Westfälischen Urkundenbuches. Der Erfolg seiner Bemühungen um die Herausgabe des ersten Teiles eines Codex diplomaticus historiae Westphaliae hat Meyer nicht mehr erlebt. Zwar heißt es im Bericht der Hauptversammlung in Münster vom 5.7.1838, der Direktor der Paderborner Abteilung, Domkapitular Meyer, habe den von ihm übernommenen Teil für das allgemeine westfälische Urkundenbuch vollendet und zur Schlußredaktion abgegeben; weiter wird berichtet, der baldigen Vollendung des ersten Bandes sei mit Sicherheit entgegenzusehen. Aber als Meyer am 18. September 1843 starb, war mit dem Druck noch nicht begonnen. In seinem Nekrolog über ihn betonte Erhard, er könne »nur mit schmerzlichen Gefühlen daran denken, daß es ihm, dem ersten Anreger und Urheber dieses Werkes nicht mehr vergönnt war, die Ausführung desselben zu erleben« [FN8]. 1847 erschien der erste Band, aber in der Vorrede dazu hat Erhard die Verdienste Meyers um das Urkundenbuch mit keinem Wort gewürdigt.

Meyer standen mehrere tüchtige Mitarbeiter zur Seite. Hier sind zunächst seine Paderborner Freunde zu nennen, Josef Bessen, der Verfasser der Geschichte des Bistums, der aber seit 1830 kränklich war und schon 1838 starb, Franz Josef Gehrken, der sein Nachfolger als Vereinsdirektor wurde, und Franz Josef Brand, seit 1828 Schriftführer der Abteilung. Von den auswärts wohnenden Mitgliedern ist an erster Stelle der Kurator des Vereins, der Oberpräsident Ludwig von Vincke zu nennen, sodann Paul Wiegend, der »im Namen des Vereins« das schon zitierte Archiv herausgab. Auch die übrigen Paderborner und viele auswärtigen Mitglieder haben durch fleißige Mitarbeit Meyer unterstützt. Meyer hatte den Verein 18 Jahre lang leiten können. Der Leiter der Abteilung Münster, der erste Direktor des Staatsarchivs in Münster setzte ihm »ein biographisches Denkmal«, das schon verschiedentlich herangezogen ist. [FN9]

Meyers Nachfolger in der Leitung des Vereins, Kriminaldirektor Dr. Franz Josef Gehrken, war bei der Übernahme seines Amtes am 27. Oktober 1843 bereits 73 Jahre alt. Er hat nur eine Hauptversammlung leiten können und starb schon am 31. März 1845. Nun wurde am 5. Mai 1845 Justizrat Georg Josef Rosenkranz gewählt. Er hatte, nachdem er 1836 dem Verein beigetreten war, die Westfälische Zeitschrift durch mehrere Aufsätze reichert. Seinen Mühen um den Verein wurde aber schon bald ein Ziel gesetzt. Er starb bereits am 22. Februar 1855.

Sein Nachfolger Dr. Wilhelm Engelbert Giefers hat die Leitung des Vereins mehr als 25 Jahre innegehabt. Als er 1851 im Alter von 38 Jahren als Hilfslehrer am Gymnasium Theodorianum angestellt wurde, war er bereits durch eine Reihe von Veröffentlichungen, die er zum Teil auch der Westfälischen Zeitschrift hatte zukommen lassen, weiteren Kreisen bekannt. Der Verein hatte sogleich an ihm ein eifriges Mitglied. Giefers wurde bald durch seine zahlreichen Schriften einer der bekanntesten westfälischen Historiker. Als er dann 1855 zum Vereinsdirektor gewählt war, hat er mit dem Brauch begonnen, die Hauptversammlungen des Vereins in den verschiedensten Orten in den Regierungsbezirken Minden und Arnsberg abzuhalten, und dadurch den Verein zu neuer Blüte gebracht. 1865 konnte er bei der Versammlung in seiner Heimatstadt Brakel 138 Besucher begrüßen [FN10], von denen 77 dem Verein neu beitraten. Den Höhepunkt bildete die Versammlung in Höxter 1869 mit 150 Besuchern.

In seinen letzten Jahren scheint Giefers in seinem Bemühen für &e Vereinsarbeit nachgelassen zu haben. Er ließ sich 1874 im Alter von 57 Jahren pensionieren und zog nach Brakel, um in aller Ruhe wissenschaftlich arbeiten zu können. Berichte über die Jahresversammlungen, wie sie bis 1870 in der Westfälischen Zeitschrift veröffentlicht waren, fehlen für ein Jahrzehnt. Erst 1881 wird wieder über eine Versammlung am 17. u. 18. Mai 1880 in Brakel berichtet, die Giefers leitete. Damals wurde dem Vereinsdirektor Kaplan Dr. Konrad Mertens zum Coadjutor mit dem Rechte der Nachfolge beigestellt. Am 26. Nov. 1880 ist Giefers, mitten in der Arbeit, an einem Gehirnschlag gestorben.

Der neue Vereinsdirektor Dr. Mertens, damals noch Kaplan, seit 1892 Pfarrer in Kirchborchen, hat sich mit großem Eifer und mit viel Geschick um den Verein bemüht. Neben wissenschaftlichen Arbeiten, vor allem auf dem Gebiet der Bistumsgeschichte, hat er sich um die Vorgeschichte unserer Gegend bemüht, aber sich auch durch Sammlung von alten heimatgeschichtlichen Drucken, Bildern und musealen Objekten verdient gemacht. Zu Beginn seiner Tätigkeit mußte er in der Bibliothek, im Archiv, besonders aber in der Kasse des Vereins wieder Ordnung schaffen. Die Zahl der Vereinsmitglieder stieg von etwa 180 (1880) auf 397 (1903). Seit 1884 wurden auf seine Anregung hin auch in Paderborn Wintervorträge gehalten, wie sie in Münster bereits seit 1862 üblich waren. An den Orten der Hauptversammlungen wurden vielfach auch Ausstellungen kunstgeschichtlicher Art durchgeführt. Zur Elfhundertjahrfeier des Besuches Papst Leo III. bei Karl d. Gr. in Paderborn wurde eine große Kunstausstellung in der Aula des Theodorianum veranstaltet. Am 18. März 1905 ist Mertens im Alter von 69 Jahren gestorben.

Nun wurde Dr. Bernhard Kuhlmann, Geistl. Oberlehrer am Theodorianum, von der Hauptversammlung in Warburg am 13. September 1905 zum neuen Vereinsdirektor gewählt. Er hatte in der Westfälischen Zeitschrift bereits Aufsätze über den Aufenthalt Papst Leos III. im Paderborner Land, über Eresburg und Irmensul und über die Geroldskapelle in Paderborn veröffentlicht. Nach der Übernahme der Vereinsgeschäfte wurde er bald kränklich, verzichtete 1909 auf die Vereinsleitung und starb im Alter von 64 Jahren am 11. Januar 1911 in Niedermarsberg.

Sein Nachfolger wurde Prof. Dr. phil. et theol. Johannes Linneborn, 1867 in Hagen bei Allendorf geboren und 1892 zum Priester geweiht. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Geschichte der westfälischen Klöster in der Bursfelder Kongregation gewesen. 1908 hatte er ein Jahr am Preußischen Historischen Institut in Rom arbeiten können. 1910 wurde er als Nachfolger des zum Bischof von Paderborn geweihten Karl Josef Schulte Professor des Kirchenrechts an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Paderborn. Er erhielt Ende 1918 eine Berufung auf den Lehrstuhl für Kirchenrecht an der theologischen Fakultät der Universität Bonn, nahm aber, als sich die Verhandlungen infolge der Nachkriegsverhältnisse hinzogen, 1919 das Angebot einer freigewordenen Domherrnstelle an und wurde zwei Jahre danach Dompropst. Seit 1924 Abgeordneter im preußischen Landtag, hat er sich um die Förderung der Kulturpolitik bemüht und war an den Neuregelungen zwischen Staat und Kirche beteiligt, die zum Konkordat von 1929 führten.

Am 9. November 1909 war Johannes Linneborn zum neuen Direktor der Paderborner Abteilung des Vereins gewählt worden. Es gab mancherlei in Ordnung zu bringen. Die Hauptversammlungen fanden nun wieder regelmäßig auswärts statt. Die Zahl der Mitglieder stieg von 376 im Herbst 1909 auf 551 im Jahre 1913 und auf 700 im Jahre 1923. Schwere Zeiten brachte der Weltkrieg 1914/18.1915 und 1916 mußten die Wintervorträge ausfallen, 1917 konnten sie wieder gehalten werden. Die Notzeit nach dem Kriege begünstigte dann die Besinnung auf die Werte der Vergangenheit. Die Wintervorträge, an denen sich auch Prof. Fuchs beteiligte - besonders beliebt waren seine von Lichtbildern unterstützten Darbietungen über die Geschichte der älteren Paderborner Kirchen -, gewannen dem Verein neue Mitglieder.

1924 konnte Linneborn zur Hundertjahrfeier des Vereins ins Rathaus einladen und den Tag in einer glanzvollen Versammlung feiern. Linneborn hat, wie schon vorher, auch als Vereinsdirektor eine Reihe von Aufsätzen in der Westfälischen Zeitschrift veröffentlicht, die hier nicht genannt werden können. Ende 1924 legte er mit Rücksicht auf seine anderweitige Belastung sein Amt nieder. Es waren ihm noch sieben Jahre unermüdlicher Arbeit beschert. Er starb am 26. Januar 1933 [FN11].

In diesem Überblick über die Geschichte des Vereins in den ersten 100 Jahren sind nur für die Zeit der Führung durch Domkapitular Meyer einige seiner Mitarbeiter genannt. Auch die Nachfolger sind durch viele uneigennützige Geschichtsfreunde unterstützt worden. Von diesen sind heute vor allem noch jene bekannt, die sich um die Erforschung der Landesgeschichte selbst bemüht und ihre Arbeiten in den Vereinszeitschriften veröffentlicht haben. Johannes Linneborn hat ihrer in seinem Rückblick gedacht, worauf hier verwiesen werden muß [FN12]. Einige sollen aber auch hier folgen. Es können nur solche genannt werden, die noch weiteren Kreisen bekannt sind.
Hermann Abels, Redakteur beim Westfälischen Volksblatt, Paderborn, gestorben 1932.
Klemens Bäumker, Professor in München, gestorben 1924.
Anton Bieling, Domkapitular in Paderborn, gestorben 1892.
Johannes Graf Bocholtz-Asseburg auf der Hinnenburg, gestorben 1898.
Georg von Detten, Justizrat in Paderborn, gestorben 1919.
Julius Evelt, Theologieprofessor in Paderborn, gestorben 1879.
Anton Gemmeke, Pfarrer in Neuenheerse, gestorben 1938.
Heinrich Kampschulte, Pfarrdechant in Höxter, gestorben 1878.
August Koch, Domkapitular in Paderborn, gestorben 1881.
Franz von Löher, Professor in München, gestorben 1892.
Lorenz Leineweber, Geistl. Studienrat in Brilon, gestorben 1923.
Wilhelm Richter, Professor in Paderborn, gestorben 1922.
Franz Xaver Schrader, Pfarrer in Natzungen, gestorben 1911.
Friedrich Schröder, Geistl. Studienrat in Paderborn, gestorben 1966.
Wilhelm Spancken, Kreisgerichtsrat in Paderborn, gestorben 1886.
Franz Tenckhoff, Theologieprofessor in Paderborn, gestorben 1921.

Alle diese Mitglieder haben die Westfälische Zeitschrift, z. T. auch die Zeitschrift Westfalen durch ihre Beiträge bereichert. Im einzelnen wird das in dem zum Druck vorbereiteten systematischen Register nachgewiesen, wo auch die Nekrologe verzeichnet sind. Von den genannten Herren waren neun katholische Priester. Der katholische Klerus hat in der Paderborner Abteilung stets eifrig mitgearbeitet, obwohl der Verein nie konfessionell ausgerichtet war und unter den Gründungsmitgliedern wenigstens vier evangelischer Konfession hatte.



1925-1974

Mit der Übernahme der Leitung des Vereins durch Pfarrer Dr. Hermann Joseph Wurm beginnt eine neue Periode der Vereinsgeschichte, über die bisher nicht zusammenhängend berichtet worden ist. Es soll deshalb für diese Jahre zunächst ein Gesamtüberblick gegeben werden.

Die Zeit von 1924 bis etwa 1928 war eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, die auch die Finanzen des Vereins begünstigte. Die Zahl der Mitglieder belief sich auf etwa 700, darunter 13 Ehrenmitglieder, ging aber bis 1928 langsam zurück. Neben den Hauptversammlungen (in Büren, Meschede, Lippstadt und Bad Driburg) fand 1928 erstmals auch eine Studienfahrt statt.

Die Benutzung des Archivs und der Bibliothek wurde 1925 durch einen Vertrag zwischen dem Verein und der Bischöflichen Akademischen Bibliothek erleichtert. Als die Akademische Bibliothek 1915 ein neues Gebäude bezogen hatte, waren darin auch Bibliothek und Archiv des Vereins mit Zustimmung des Bischöflichen Stuhles untergebracht worden. Sie konnten aber nur benutzt werden, wenn ein Bibliothekar oder Archivar des Vereins anwesend war. Nunmehr wurden Bibliothek und Archiv des Vereins der Verwaltung der Akademischen Bibliothek übergeben. Die Mitglieder konnten infolgedessen ohne vorherige Anmeldung in den üblichen Öffnungszeiten die Bibliothek und das Archiv des Vereins benutzen und in dem mit einer großen Handbücherei ausgestatteten Lesesaal arbeiten. Den Besuchern der Akademischen Bibliothek wurden gleiche Rechte in bezug auf die Bestände des Altertumsvereins zugebilligt [FN13].

Das Museum des Vereins, das in zwei Räumen an der Nordseite des Rathauses untergebracht war, wurde neu geordnet. Die ständige Vermehrung hatte zu einer Überfüllung geführt, die eine Freigabe weiterer Räume durch die Stadt erforderte. Es kam mehrfach zu Versprechungen. Aber wenn ein Raum frei wurde, standen auch dringende Raumanforderungen der Stadt an, so daß Abhilfe nicht geschaffen wurde.

Als sich in den folgenden Jahren die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zusehends verschlechterten, wurde natürlich auch der Verein davon betroffen. Von 1931 an traten eine Reihe von Mitgliedern aus, die Beihilfe der Provinz verminderte sich von 2000,- auf 1000,- RM, dann auf 500,- RM. 1934 schätzte man die Zahl der Mitglieder auf rund 500, che Kasse wies einen Fehlbetrag von etwa 500,- RM aus. Für die Bibliothek konnte nichts mehr erübrigt werden. 1937 war das Minus auf etwa 4000,- RM angewachsen.

Das Leben im Verein hatte sich in der gewohnten Weise entfalten können, und auch die nationalsozialistische Herrschaft versuchte in dieser Zeit nicht, einschränkend einzugreifen. Es konnten jährlich neben den Hauptversammlungen auch Studienfahrten unternommen werden. Die Wintervorträge erfreuten sich wachsender Beliebtheit. Das gilt vor allem für die Vorträge von H. J. Wurm, der die Externsteine als vorchristliches Heiligtum, und von A. Fuchs, der sie als christliches Heiligtum behandelte.

Die Veranstaltung des Westfalentages für 1937 in Paderborn brachte für das Museum im Rathaus die schon lange erhoffte Erweiterung. Die südlichen Räume wurden instandgesetzt und dem Museum überlassen, das nun seine Sammlungen im gesamten Erdgeschoß neu aufstellen konnte. Das war um so mehr willkommen, als die 1935 vollendete Beschaffung von Delbrücker Trachten den für eine Ausstellung notwendigen Platz finden konnte [FN14].

Das Jahr 1938 brachte eine schmerzliche Wende im Leben des Vereins. Die Nationalsozialisten hielten es nicht für möglich, den katholischen Pfarrer Dr. Hermann Josef Wurm, der seit Ende 1924 den Verein zur vollen Zufriedenheit der Mitglieder geleitet hatte, als Vereinsdirektor zu dulden. Ein Schriftstück über die damaligen Vorgänge liegt nicht vor. Vermutlich hat es auch ein solches nicht gegeben. Am 1. Juli 1938 verzeichnete Wurm die seit dem 1. August 1937 gehaltenen Vorträge und die Veränderungen im Mitgliederbestand und setzte lakonisch hinzu: Dies ist mein letzter Bericht. Mit der Wahrnehmung der Vereinsgeschäfte beauftragte der Vorstand den Studienrat Dr. Heinrich Vedder. Das Kuratorium des Vereins, das seit der Zeit Ludwig von Vinckes der jeweilige Oberpräsident der Provinz Westfalen innehatte, war vom neuen Oberpräsident Gauleiter Dr. Alfred Meyer übernommen. Sein Vorgänger Ferdinand Freiherr von Lüninck zu Ostwig bei Bestwig wurde auf Vorschlag des Vereinsvorstandes durch den Kurator als Vereinsdirektor berufen. Der Vorstand trat dann zurück, ein neuer, dem Dr. Vedder als Stellvertreter des Vereinsdirektors angehörte, wurde ernannt [FN15.

Dr. Vedder hat zwei Jahre den Verein leiten können. Der Bericht über das Jahr 1940/41 wurde mit dem Bemerken, daß der Vereinsdirektor von Lüninck und sein Stellvertreter Vedder zum Kriegsdienst einberufen seien, von Prof. Dr. Alois Fuchs erstattet, der »in die Bresche gesprungen« war und die Leitung des Vereins übernommen hatte. Band 96 der Westfälischen Zeitschrift konnte erst Anfang 1942 erscheinen. Von der Zeitschrift Westfalen erschien Heft 6 von Band 26 noch im Juli1942. Danach wurde 1943 noch ein Bericht über die Vereinsarbeit von Mitte 1941 bis Mitte 1943 vervielfältigt den Mitgliedern zugesandt, aber später noch einmal in Band 97 wieder abgedruckt.

1943/44 konnten die Wintervorträge noch in der üblichen Form gehalten werden. Die Jahreshauptversammlungen wurden (wie schon seit 1938) mit den Wintervorträgen verbunden. Im Winter 1944/45 fanden keine Veranstaltungen statt.

Am 11. September 1941 war Pfarrer Dr. Wurm in Neuhaus gestorben [FN16]. Ferdinand Frhr. v. Lüninck war am 14.11.1944 als Widerstandskämpfer hingerichtet worden. Dr. Vedder war ein Opfer des Krieges.

Um die wertvollen Sammlungen vor der Vernichtung bei Bombenangriffen zu schützen, waren schon 1943 Teile der Bibliothek im alten Archiv des Grafen von Westphalen in Fürstenberg zusammen mit Büchern der Akademischen Bibliothek und der damals in Paderborn befindlichen Bibliothek der Grafen von Fürstenberg, Herdringen, untergebracht. Sie sind dort durch den persönlichen Einsatz der Frau Gräfin gerettet worden. Das Archiv des Vereins war nach Hövelriege gebracht und der Obhut des damaligen Pfarrvikars in Hövelriege, des späteren Propstes der Gaukirche in Paderborn Dr. Wilhelm Tack anvertraut. Aus dem Museum im Rathaus waren die wertvollen Stücke in Sicherheit gebracht worden; ein großer Teil mußte aber am alten Platz verbleiben. Zuletzt wurden noch die im Dachgeschoß befindlichen Bücher des Altertumsvereins in den Keller der Akademischen Bibliothek geschafft.

Beim Bombenangriff auf Paderborn am 17. Januar 1945 wurde Prof. Dr. Fuchs, der Kustos des Museums, im Keller seiner Kurie verschüttet, wurde aber bewußtlos durch Soldaten und Luftwaffenhelfer, unter diesen das jetzige Vereinsmitglied W. Goertz, rechtzeitig herausgebuddelt und ins gegenüberliegende Vinzenzkrankenhaus gebracht, wo er längere Zeit liegen mußte. Das Rathaus, in dessen unteren Räumen noch ein großer Teil des Museumsgutes untergebracht war, wurde durch Bomben schwer beschädigt. Sämtliche Türen und Fenster wurden zertrümmert oder ausgehoben. Die verwüsteten Räume konnten nicht abgeschlossen werden. Einiges ist damals durch Diebstahl verlorengegangen. Bald darauf zog die Polizei ein. Ohne Nachrichten an den Verein wurde kurzerhand alles was sich an Schränken, Vitrinen sowie Truhen und Möbeln noch vorfand, in einem einzigen Raum so dicht zusammengestellt, daß eine Feststellung der Schäden unmöglich war. Die einzigen, die sich um die Museumsstücke kümmern konnten, waren Dr. Tack in Hövelriege und Baurat Michels in Paderborn. Am 22. März war ein Luftminenangriff auf Paderborn, bei dem der Archivar des Vereins Domkapitular Dr. Völker umkam.

Am 27. März fiel dann Paderborn fast vollständig der Zerstörung anheim. Das Rathaus brannte aus. Doch war der Raum, in dem das Museumsgut gestapelt war, durch ein feuerfestes Gewölbe geschützt, so daß das dort Gelagerte erhalten blieb. Die Gebäude des Leokonvikts und der Akademischen Bibliothek wurden bis auf die Keller zerstört.

Als am 1. April, am Karsamstag 1945, die Amerikaner in Paderborn einzogen, war Paderborn ein einziges Trümmerfeld. Jeder, der sein Leben gerettet hatte, war auf sich selbst gestellt, an seinen Platz gebunden und wußte nicht, wie es um Verwandte und Freunde stand. Post- und Verkehrsverbindungen gab es nicht. Erst langsam bekam man über das, was geblieben und was verloren war, Gewißheit.

Der Verein hatte alle im Gebrauch befindlichen Unterlagen und Mitgliederlisten eingebüßt. Noch war an eine Wiederbegründung des Vereins nicht zu denken. Die Besatzungsmacht hatte sieh die Zulassung von Vereinen vorbehalten. Erste Besprechungen von Vereinsmitgliedern mit Prof. Dr. Fuchs waren schon angeregt worden, als dieser sieh noch in seiner Notunterkunft im Pfarrhaus in Hellinghausen bei Lippstadt befand. Sie kamen erst zustande, als er im September 1945 im Clementinum bei Bad Driburg untergekommen war, das die Theologen des Bistums Paderborn von Herbst 1945 an aufnehmen sollte.

Am 19. Juni1946 gestattete die Englische Militärregierung dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens in seinen beiden Abteilungen Münster und Paderborn die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit, was der Generalreferent für Kultur beim Oberpräsident von Westfalen am 5. September 1946 dem geschäftsführenden Mitglied des alten Vereinsvorstandes der Paderborner Abteilung Alois Fuchs mitteilte. Am 1. Oktober meldete Fuchs bei der Englischen Militärregierung zwei Vorträge an, die in der Heiersburg in Paderborn am 6. November und am 5. Dezember 1946 gehalten werden sollten. Mit dem 2. Vortrag sollte eine Hauptversammlung verbunden sein, die neue Vereinssatzungen zu beschließen und einen neuen Vorstand zu wählen hatte. Beide Veranstaltungen konnten stattfinden. Es wurden gewählt zum Vereinsdirektor Domkapitular Prof. Dr. Fuchs, ferner Stadtbaurat a. D. Paul Michels, Bankleiter Heinrich Koch, Dr. Klemens Honselmann und Dr. Wilhelm Tack jeweils als Schriftführer, Kassierer, Bibliothekar und Beisitzer. Nunmehr konnten auch die sog. Entnazifizierungspapiere eingereicht werden. Damit war der Verein wieder konstituiert. Die neuen (Neben-)Satzungen wurden im ersten Nachkriegsband der Westfälischen Zeitschrift, Bd. 97, der erst Dezember 1947 fertiggestellt wurde, veröffentlicht. Von der Zeitschrift »Westfalen« erschien Heft 1 von Band 27 zu Beginn des Jahres 1948.

In den nächsten Jahren waren die Papierbeschaffung und Drucklegung noch recht schwierig. Die Westfälische Zeitschrift mußte bis 1954 mehrfach in Doppelbänden erschienen, während von der Zeitschrift »Westfalen« von 1950 an jährlich ein Band herauskommen konnte.

1949 konnte der Verein auf sein hundertfünfundzwanzigjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand am 20. Juli eine Festfeier im Saale des Hotels »Westfälischer Hof« statt, weil man in Paderborn noch keinen anderen geeigneten Raum hatte. Im Festakt am Morgen sprach der Vereinsdirektor über die Entwicklung der beiden Abteilungen seit 1824/25. Den Festvortrag am Nachmittag hielt der Direktor der Abteilung Münster, Prof. Dr. Eitel, über die denkwürdige Zusammenkunft Karls d. Gr. und Leos III., die 1150 Jahre zuvor stattgefunden hatte. In Band 99, der den Bericht über das Jubiläum brachte, konnte auch erstmals nach dem Kriege die Liste der Mitglieder (526) veröffentlicht werden.

1949 fand auch der erste Tag der Westfälischen Geschichte statt, eine Einrichtung auf Anregung des Landeskonservators Dr. Theodor Rensing, die die Lehrkräfte für Geschichte an den höheren Schulen mit der westfälischen Landesforschung und ihren Ergebnissen und Problemen vertraut machen sollte. Auch hier wurde des Vereinsjubiläums gedacht. Der gelungene Verlauf der Veranstaltung ließ den Gedanken, solche Tage der Westfälischen Geschichte alljährlich zu veranstalten, als durchaus richtig erscheinen [FN17].

Alois Fuchs hat als Vereinsdirektor die Abteilung Paderborn zielbewußt und unter großem persönlichen Einsatz zur früheren Blüte zurückgeführt, ja eine zuvor nie erreichte Zahl von Persönlichkeiten für die Ziele des Vereins begeistern können. Als er im Alter von 77 Jahren am 26. Oktober 1954 zurücktrat, um jüngeren Kräften Platz zu machen, war die Zahl der Mitglieder auf 947 angewachsen. Er hat auch weiterhin im Verein mitgearbeitet und bis 1962 die Besucher der Winterveranstaltungen durch seine hervorragenden Lichtbildervorträge erfreut.

Er starb am 25. Juni 1971 kurz nach Vollendung des 94. Lebensjahres [FN18].

Am 26. Oktober 1954 wählte die Mitgliederversammlung den Schreiber dieses Rückblicks zum Vereinsdirektor. Der wirtschaftliche Aufschwung in der Bundesrepublik war in vollem Gange. Die Jahreshauptversammlungen, die auch schon 1949 und 1952 wieder auswärts gewesen waren, konnten nunmehr bis auf zwei regelmäßig in größeren oder kleineren Orten der Regierungsbezirke Arnsberg und Detmold stattfinden. Nach dem geschäftlichen Teil konnte vielfach noch ein Baudenkmal besichtigt werden; dann stärkte man sich beim gemeinschaftlichen Mittagsmahl, um am Nachmittag mit einer Studienfahrt zu kunsthistorischen oder archäologischen Sehenswürdigkeiten seine Kenntnisse noch zu erweitern. Solange es noch Pfingstferien gab, konnte man einen dieser Tage dafür in Anspruch nehmen. Nach deren Wegfall hat man die Hauptversammlung mehrere Male an einem Samstag nachmittag in einem näher gelegenen Orte abgehalten und dabei auch jene Städte wieder besucht, die bei Tagesfahrten vernachlässigt wurden.

Die Wintervorträge erfreuten sich auch weiterhin eines guten Besuches. Sowohl Vereinsmitglieder in Paderborn wie Damen und Herren des Denkmalpflegeamtes, des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und des Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte haben darin die Zuhörer mit neuen Ergebnissen ihrer Arbeit bekanntgemacht [FN19].

Besonders erfreulich waren in Paderborn selbst die Ergebnisse verschiedener Grabungen. 1949 überraschte Bernhard Ortmann, der sich auch sonst um Sicherung von Funden bei Erdbewegungen in Paderborn verdient gemacht hat, mit den Ergebnissen seiner Grabungen innerhalb und außerhalb der Abdinghofkirche [FN20]. Bei Grabungen im Dom und anschließenden Gelände konnten durch Friedrich Esterhues die Grundmauern einer älteren Kirchenanlage mit einem östlichen Dreikonchenabschluß freigelegt werden, die später als die Kirche von 777 erkannt wurde. 1958 bis 1961 ist auf Ortmanns Anregung ein Vierjahresgrabungsplan durchgeführt, der mit 120 000,- DM vom Land Nordrhein-Westfalen getragen und unter der Leitung des Vorsitzenden der Altertumskommission Westfalens, Prof. Dr. A. Stieren, zusammen mit dem Vereinsdirektor durchgeführt wurde. Bedeutsames Ergebnis war die Klärung der Lage von Wall und Graben der karolingischen Befestigung. Schließlich konnte Wilhelm Winkelmann 1964 mit Grabungen beginnen, bei denen die Reste der von Bischof Meinwerk erbauten Königspfalz, die Grundmauern der karlischen Pfalzen und der Königsthron von 799 gefunden wurden [FN21]. An all diesen Arbeiten nahmen die Mitglieder des Vereins in Besichtigungen und Vortragsveranstaltungen lebhaften Anteil.

Die Vereinszeitschriften konnten in dieser Zeit regelmäßig, wenn auch nicht immer termingemäß erscheinen. An der Gliederung der Westfälischen Zeitschrift in zwei Teilen, die von den Direktoren der beiden Abteilungen betreut werden, wurde festgehalten und damit sichergestellt, daß über Inhalt und Umfang jede Abteilung entscheiden kann. Die getrennte Seitenzählung wurde dagegen aufgegeben. Band 100 und die folgenden Bände haben eine einheitliche Seitenzählung.

1957 veröffentlichte Paul Michels im Auftrag und mit Beihilfe des Vereins sein Werk »Paderborner Inschriften, Wappen und Hausmarken« in einem Textband und einer Tafelbeilage. Als Hermann Nottarp 1962 seine umfangreiche Arbeit über das katholische Kirchenwesen der Grafschaft Ravensberg im 17. und 18. Jahrhundert zum Druck vorlegte, ermächtigte der Vorstand den Vereinsdirektor zur Herausgabe einer neben den Zeitschriften laufenden Reihe »Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte«, in der die Arbeit von Nottarp Bd. 2 wurde und der 1957 erschienene Band nachträglich als Bd. 1 gelten sollte. 1975 erschien das Bürgerbuch der Stadt Driburg 1681-1877, hrsg. von H. W. Wichert und F. Verdenhalven, als 15. Band der Reihe. Die Einzelbände wurden von Anfang an den Vereinsmitgliedern beider Abteilungen zu einem Vorzugspreis angeboten.

Die Vereinsbibliothek konnte jährlich weiter ausgebaut werden. Das Archiv konnte um eine Reihe von Urkunden, Handschriften und Akten vermehrt werden. Einige anderswo lagernde handschriftliche Stücke konnten in Fotokopien eingestellt werden.

Das Museum des Vereins hat bis 1975 keine Unterkunft gefunden. Beim Tag der Westfälischen Geschichte in Paderborn 1955 hatte der damalige Kultusminister W. Schütz den Landeskonservator Dr. Rensing beauftragt, das ehemalige Amtsgericht an der Michaelstraße für die Zwecke eines Altertumsmuseum wieder aufzubauen. Die Verhandlungen begannen erfolgversprechend, kamen dann aber ins Stocken. Sie wurden später wieder aufgenommen; nun sollte aber das Diözesanmuseum im alten Amtsgerichtsgebäude unterkommen und für das Altertumsvereinsmuseum ein Anbau errichtet werden. Die Baupläne waren 1963 fertig und die Finanzierung gesichert. Vor Beginn der Arbeiten wurde aber erkannt, daß man die Fundamentierung des Anbaues nicht sorgfältig genug geprüft hatte. Sie würde, so hieß es nun, die ganze für das Museum des Altertumsvereins vorgesehene Summe verschlungen haben. Das ganze Projekt wurde dann aufgegeben. Die vorgeschichtlichen und frühgeschichtlichen Sammlungen sollen nun in der auszubauenden Meinwerkpfalz, die übrigen Museumsstücke in dem der Stadt gehörigen sog. Adam-Eva-Haus an der Hathumarstraße einen neuen Platz finden.

Es ist nun noch jener Männer zu gedenken, die mit den Vereinsdirektoren sich um das Wohl des Vereins bemüht haben. Als erster ist zu nennen Dr. Christoph Völker. In Faulungen (Eichsfeld) am 31. Mai 1890 geboren, am 3. August 1914 zum Priester geweiht, wurde er im gleichen Jahr zum Kaplan in Vörden (Krs. Höxter) ernannt. Hier hat er sich in seinen Mußestunden um die Geschichte von Land und Leuten seiner Heimat bemüht. 1921 sprach er auf der Hauptversammlung in Warburg über das Kloster Marienmünster. 1926 berief ihn Bischof Dr. Klein als Archivar an das Bistumsarchiv in Paderborn. Seit 1930 gehörte er dem Vorstand an. Unter seinen Aufsätzen in unseren Zeitschriften ist der anregendste der über den Marstall Meinwerks 1935 gewesen, der 1963 die Grabungen veranlaßte, die zur Auffindung der karolingischen Pfalzen geführt hat. Als Dr. Wurm unter dem Druck des Nationalsozialismus seinen Vorsitz niederlegen mußte, hat Völker dem geschäftsführenden Dr. Vedder treu zur Seite gestanden. Beim Bombenangriff auf Paderborn am 22. März wurde er in seiner Wohnung so schwer verletzt, daß er drei Tage später starb. [FN22]

Sehr viel länger hat Paul Michels sich für den Verein einsetzen können. Er stammte aus Geheim und kam 1919 im Alter von 37 Jahren als Stadtbaumeister nach Paderborn. Von 1921 an hat er dem Vorstand des Vereins angehört und überall, wo das ihm möglich war, für die Erhaltung kunstgeschichtlich und kulturgeschichtlich wertvollen Gutes gearbeitet. 1936 versetzten die damaligen Machthaber ihn in den Ruhestand. Er hat die Zeit zur denkmalpflegerischen und wissenschaftlichen Arbeit benutzt. Neben anderem zeigen auch unsere Zeitschriften von seinem Fleiß. Nach der Zerstörung Paderborns hat er in Wintervorträgen Lichtbilder des untergegangenen Paderborn vorgeführt und dafür viel Anerkennung gefunden. Er starb am 17. November 1970 im Alter von 88 Jahren. [FN23]

Zu den Stützen des Vereins hat auch lange Zeit Ignatz Pöppel gehört. In Paderborn geboren hat er hier als Lehrer viele Jahrzehnte in der Jugendbildung Hervorragendes geleistet, bis er 1946 Schulrat für den Kreis Höxter wurde. Im gleichen Jahre wurde er in den Beirat des Vereins gewählt. Er hat durch seine Vorträge und seine Beiträge in der Westfälischen Zeitschrift den Verein gefördert. Nach längerer Krankheit starb er am 6. Juli 1969 im Alter von 81 Jahren.

Unvergessen ist auch das Wirken von Propst Dr. Wilhelm Tack für den Verein. 1897 in Köln geboren ist er in frühester Jugend nach Paderborn gekommen. Er hat schon frühzeitig Interesse für die Paderborner Geschichte, dann aber vor allem für die Kunstgeschichte gehabt. Seine Dissertation über die Kapitellornamentik im Paderborner Dom veröffentlichte er 1938 in der Westfälischen Zeitschrift. Von da an hat er eifrig an dieser und der Zeitschrift Westfalen mitgearbeitet. Mit zahlreichen Lichtbildervorträgen zur Geschichte der kirchlichen Kunst im Paderborner Land hat er sich in unserem Verein aber auch in anderen Institutionen viele Freunde erworben. Bei den Studienfahrten des Vereins übernahm er die kunstgeschichtlichen Führungen. Die Unterbringung von Teilen des Vereinsarchivs in seiner Pfarrvikarie Hövelriege ermöglichte ihm ein eingehendes Studium dieser Schätze. Als Propst der Gaukirche in Paderborn (seit 1953) hat er sich um seine Pfarrgemeinde ebenso bemüht, wie er jedem half, der auf kunsthistorischem Gebiet seine Hilfe erbat. Sein unerwarteter Tod am 17. Mai 1961 hat die Vereinsmitglieder schwer betroffen [FN24].

Von denen, die lange Jahre dem Verein angehört und ihn durch ihre Mitarbeit gefördert haben, und so weiteren Kreisen bekannt geworden sind, sollen genannt werden Redakteur Hermann Abels, Paderborn (gestorben 1932) [FN25], Pfarrer Anton Gemmeke, Neuenheerse (gestorben 1938) [FN26], Bankleiter Heinrich Koch, lange Jahre Kassenwart des Vereins (gestorben 1961), Studienrat i. R. Ferdinand Menne, Ehrenmitglied, Arnsberg (gestorben 1958), Oberstudienrat i. R. Josef Rohrbach (gestorben 1967) [FN27], Oberstudiendirektor i. R. Hans von Geisau (gestorben 1972), Studienrat i. R. Otto Schnettler (gestorben 1974), Studienrat Wilhelm Marré, Warburg, später Volkmarsen (gestorben 1972).

Wie diesen verstorbenen Mitgliedern haben wir vielen anderen, die nicht genannt werden können, für ihren Einsatz für den Verein zu danken. Zu Beginn dieses Rückblickes konnte auf die intensive Anteilnahme der ältesten Mitglieder an den Arbeiten des Vereins hingewiesen werden. Wenn das in dieser Weise heute nicht mehr möglich ist, so ist doch jede Anregung willkommen und jedes Angebot zur Mitarbeit auf irgendeinem die heimatliche Tradition betreffenden Gebiet eine gern gesehene Hilfe.

Nicht übersehen sei der Hinweis auf die einträchtige Zusammenarbeit mit der Abteilung Münster des Vereins, und wenn oben die Namen verstorbener Mitglieder der Paderborner Abteilung zu dankbarer Erinnerung genannt sind, dann müssen auch zwei Namen verstorbener Mitglieder der Abteilung Münster genannt werden, denen auch wir viel verdanken, Landeskonservator i. R. Dr. Theodor Rensing (gestorben 1969) [FN28] und Landesverwaltungsdirektor Hans Thümmler (gestorben 1972) [FN29].
Der Hilfe, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe dem Verein allgemein und der Paderborner Abteilung im besonderen zukommen läßt, ist oben schon dankbar gedacht. Auch dem Kreis und der Stadt Paderborn, wie auch dem Erzbischöflichen Stuhl in Paderborn haben wir für regelmäßige finanzielle Unterstützung bzw. für die Bereitstellung von Sälen für unsere Veranstaltung zu danken.


ANMERKUNGEN

1 WZ 57 (1899), II S. 153-171; WZ 82 (1924), S. IX-XXXVIII.
2 Die gesammelten Folgen wurden von Junfermann mit Titelblatt und Jahreszahl 1768 anonym herausgegeben. Das Exemplar Meyers mit Angabe des Autor in der Bibliothek des Altertumsvereins; vgl. dazu: Kl. Honselmann, Eine Paderborner Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts in Fortsetzungen, WZ 122 (1972), S. 290ff.
3 Vgl. die Aktenveröffentlichung von W. Leesch: Ignaz Meyers Vorschläge zur Betreuung der Archive aufgehobener Klöster und seine Beauftragung mit der Arbeit daran (1816/17), unten S. 1ff.; ferner: H. A. Erhard im Nekrolog für Meyer WZ 6 (1843), S. 319ff.
4 Erhard im Nekrolog für Meyer (wie Anm. 3), S. 322ff.
5 Vgl. in diesem Bande den Aufsatz von H. J. Brüning, Paul Wigands Tätigkeit in Bibliothek und Archiv zu Corvey.
6 Erhard hat im Nekrolog für Meyer (wie Anm. 3), S. 332 den Ablauf solcher Versammlungen eingehend geschildert.
7 Vgl. die Mitgliederliste 1824-1836 in WZ 124/125.
8 WZ 6, S. 334.
9 WZ 6, S. 310-341.
10 Die »Beiträge zur Geschichte Westfalens von J. 5. Seibertz, J. Kayser, W. Spancken und W. E. Giefers«, Paderborn: Schöningh 1866, die dem >Grafen Dietrich von Asseburg zu Hinnenburg in Erinnerung an den 30. August 1865 im Namen des Vereins gewidmet« sind, bringen über diese Versammlung gegenüber dem in WZ 26 5. 360-364 veröffentlichten einen weit ausführlicheren Bericht. Die begeisterte Stimmung die beim Besuch auf der Hinnenburg herrschte, als der Gastgeber die Teilnehmer auf der Burgterrasse mit Kaffee und Erfrischungen hatte bewirten lassen, faßte August Hoffmann von Fallersleben, der damals dem Verein beitrat, in Verse, die er selbst vortrug und in dem Berichte wiedergegeben sind. Über die Vereinsversammlung berichteten damals nicht nur die Paderborner Blätter, sondern auch der Westfälische Merkur (Münster), die Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung (Berlin), die Allgemeine Zeitung (Augsburg) und einige kölnische Blätter.
11 Ein Nachruf von H. J. Wurm: WZ 89 (1932), S. 220-224. vgl. über ihn auch Lex. f. Theol. u. Kirche 6 (1961), Sp. 1067.
12 WZ 82 (1924), bes. S. Xff. und XXIXff.
13 Wortlaut des Vertrages: WZ 83 (1925), II S. 185f. Die Regelung hat sich bewährt.
14 Jahresbericht über das Museum vom 1.8.1937 in WZ 92, S. 186 ff.
15 Vgl. zum folgenden auch die Aktenveröffentlichung von F. G. Hohmann, Die Paderborner Abteilung des Vereins in den Berichten des Sicherheitsdienstes (SD) 1941/42, in dem die Arbeit im Verein eingehender behandelt ist.
16 Nachruf von A. Fuchs WZ 98/99 (1949), II S. 83f., ferner Die Einleitung von Hohmann zu dem in Anm. 15 genannten Beitrag.
17 Dazu: A. Hartlieb von Wallthor, Ein Jahrzehnt - Tag der westfälischen Geschichte 1949-1958. WZ 109 (1959) S.197ff.
18 Nekrolog von Kl. Honselmann in WZ 121 (1971) 5. 463-465. K. J. Schmitz, Alois Fuchs - Leben und Werk. Theologie und Glaube 62 (1972) S . 34-46.
19 Von Bd. 107 an sind in der Westfälischen Zeitschrift Kurzberichte über die im Winter in Paderborn gehaltenen Vorträge veröffentlicht, die die auswärts wohnenden Mitglieder wenigstens in Kürze unterrichten sollen.
20 Vgl. B. Ortmann, Baugeschichte der Salvator- und Abdinghofkirche in Paderborn auf Grund der Ausgrabungen 1949 bis 1956. WZ 107 (1957), S. 255-366.
21 Vgl. darüber W. Winkelmann, Die Frühgeschichte im Paderborner Land, in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Bd. 20 (1971), S. 87ff., darin die Pfalz Paderborn S. 91-121.
22 Nekrolog von Kl. Honselmann, WZ 98/99 (1949), II S. 85f.
23 Nachruf von Kl. Honselmann, WZ 120 (1970), S. 477f.
24 Nachruf von Kl. Honselmann, WZ 112 (1962), S. 357ff., ferner A. Fuchs, Propst Dr. Wilhelm Tack, Alte und neue Kunst im Erzbistum Paderborn, Bd. 12 (1962), S. 5-9; El. Lüke: Bibliographie der Schriften ebenda S.10-26.
25 Würdigung im Westf. Volksblatt 1932 vom 1. u. 9. Juni.
26 Nachruf von Chr. Völker, WZ 94 (1938), II S.297ff.
27 Nachruf von R. Kiepke, Die Warte 28 (1967), S. 49.
28 Gedenkrede von F. Petri; Westfalen 47 (1969), S. 101-108.
29 Nachruf von K. E. Mummenhoffs, Westfalen 50 (1972), S. 6-8.


(Aus: Westfälische Zeitschrift 124/125, 1974/1975, S. VI-XX)

 
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